„Evangelische Akademien sind das Gewissen der Gesellschaft“

Gottesdienst 30 Jahre Hospitalhof: Steffensky wünscht sich klares Profil der Kirchen

Hospitalhof Stuttgart

Stuttgart. „Die Kirche darf sich nicht nur um sich selbst drehen“, forderte Professor Dr. Fulbert Steffensky am Sonntag, 17. Januar, im Festgottesdienst zum 30-jährigen Bestehen des evangelischen Bildungszentrums Hospitalhof in Stuttgart. Kirchengemeinden seien in der Gefahr, zu einem Ort zu werden, an dem Wahrheiten ausgesprochen würden, die niemandem weh tun, so der Professor aus Hamburg vor etwa 500 Zuhörern. Dem müssten evangelische Bildungseinrichtungen entgegen wirken. Die evangelischen Akademien seien das Gewissen von Stadt, Land und Gesellschaft. Sie müssten sich fragen, ob sie mit ihren Pogrammen noch unbequeme Wahrheiten aussprächen oder nur noch Seminare anböten, die allem und jedem gerecht würden. Steffensky wünsche sich „eine Kirche, die weiß, was sie will und tun muss“, denn eine solche Kirche wisse auch, was sie nicht will und nicht tut.

Professor Dr. Friedrich Schweitzer, Dekan der Evangelisch-theologischen Fakultät an der Universität Tübingen, hob in seinem Festvortrag hervor, dass schon die Reformatoren Bildung für alle als wichtiges Thema angesehen hätten. In heutiger Zeit müsse evangelische Bildung auf Herausforderungen reagieren. Beispielhaft nannte er die Spannung zwischen Glauben und Wissen: Der Streit zwischen Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie sei überflüssig. Beide schlössen sich eben nicht gegenseitig aus, sondern ergänzten einander. Hier müsse evangelische Bildung Wissen vermitteln. Auch in Sachen Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit forderte Schweitzer die Akademien und Bildungseinrichtungen dazu auf, nicht nur die eigenen Glaubensinhalte zu lehren, sondern auch die Inhalte von anderen Religionen. Zu den wichtigen Fragen unserer Zeit zählten unter anderem „Was heißt es, in einer religiös pluralen Gesellschaft Christ zu sein?“. Auch in ethischer Hinsicht hätten die evangelischen Kirchen einen wichtigen Bildungsauftrag. So sei die Frage nach der Zulässigkeit des therapeutischen Klonens gerade auch in der Kirche zu behandeln und zu hinterfragen.

„Die evangelische Erwachsenenbildung hat die Aufgabe, Menschen in ihrer Urteilskraft zu stärken, damit sie in aller Freiheit als Christenmenschen leben könnten – zum Wohle von Gesellschaft und Kirche“, sagte Oberkirchenrat Dr. Ulrich Heckel in seinem Grußwort. Er freue sich über die Vielfalt der Themen, die im Hospitalhof diskutiert würden. Auch lobte er die Vielfalt der Veranstaltungen: „Gastredner mit renommiertem Namen sind ein fester Bestandteil des Hauses“.Weitere Informationen: http://www.hospitalhof.de

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