Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen übernimmt vorübergehend Bischofsamt in Hannover

Hans-Hermann Jantzen

Nach dem Rücktritt der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann übernimmt der Lüneburger Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen bis zu einer Bischofswahl zunächst die Leitung der größten evangelischen Landeskirche. Der Kirchensenat als ein kirchenleitendes Gremium der Landeskirche ernannte den 64-Jährigen am Donnerstag zum Bischofsvikar. Jantzen wurde aus dem Kreis der zurzeit fünf Regionalbischöfe einstimmig in dieses Amt gewählt, wie die Landeskirche am Donnerstag mitteilte. Der Bischofsvikar hat bis auf wenige Ausnahmen alle Rechte und Befugnisse des Bischofsamtes.

Jantzen ist der dienstälteste unter den Landessuperintendenten. Er leitet seit Oktober 1997 den Sprengel Lüneburg im Nordosten Niedersachsens. Die Kirchenregion ist mit 640.000 Kirchenmitgliedern in zwölf Kirchenkreisen die größte in der Landeskirche. Am 28. September wird er 65 Jahre alt, zwei Tage vorher ist seine offizielle Verabschiedung in den Ruhestand geplant. (Quelle:epd)

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Nikolaus Schneider übernimmt den EKD-Ratsvorsitz

Nikolaus Schneider

Nach dem Rücktritt von Margot Käßmann übernimmt nun ihr Stellvertreter, der rheinische Präses Nikolaus Schneider (62) den EKD-Ratsvorsitz. Schneider war wegen seines Alters bei der Wahl durch die EKD-Synode im Oktober 2009 für den Vorsitz nicht infrage gekommen.  Zu ihm, so ist aus informierten Kirchenkreisen zu hören, gibt es im Augenblick keine Alternative. Gut möglich also, dass erst Anfang November die dann regulär tagende EKD-Synode den Ratsvorsitz neu bestimmt. Bis dahin lässt sich das Feld möglicher Kandidaten neu sichten, auf dem vor Käßmanns Wahl die Bischöfe Ulrich Fischer (Baden), Frank Otfried July (Württemberg) und Martin Hein (Kurhessen-Waldeck) gefunden wurden. Die Nachfolge in der hannoverschen Landeskirche ist zur Zeit noch völlig offen.

Einweiter wichtiger Posten in der EKD muss ebenfalls in Kürze neu besetzt werden. Der bisherige Leiter des EKD-Kirchenamtes in Hannover, Hermann Barth (65) geht in den Ruhestand und es ist bisher noch niemand in Sicht, der diese Schlüsselposition zur Koordinierung der unterschiedlichen Interessen innerhalb der EKD übernehmen könnte.

Landesbischof July würdigt Käßmanns Engagement für Protestantismus

Landesbischof Frank O. July

Der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July (Stuttgart), hat die Leistung der zurückgetretenen EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann für den Protestantismus in Deutschland gewürdigt. Sie habe ihr Amt „mit großer Ausstrahlungskraft, populär und charismatisch“ geführt, sagte July am Mittwoch dem epd. Ihr sei es zu verdanken, dass wichtige kirchliche Themen in die Öffentlichkeit getragen worden seien.

Gleichzeitig äußerte July Verständnis für die Entscheidung Käßmanns. Als Frau in einem öffentlichen Amt habe sie durch die Fahrt mit Alkohol am Steuer an Freiheit verloren, sich zu ethischen Themen zu äußern. „Da bröckelt die Autorität“, so July. Er hätte es allerdings für möglich gehalten, dass sie in den kommenden Monaten diese Autorität im Amt zurückgewonnen hätte.

Margot Käßmann tritt als EKD-Vorsitzende und Landesbischöfin zurück

Margot Käßmann hat sich zum Rücktritt entschloßen. Die evangelische Bischöfin tritt von ihren Ämtern als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und als hannoversche Landesbischöfin zurück. Nur 121 Tage lang war Käßmann die oberste Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Deutschland.

„Am vergangenen Samstag habe ich einen schweren Fehler gemacht, den ich zutiefst bereue“, sagte die sichtlich bewegte Käßmann am Mittwochnachmittag vor Journalisten. Sie könne und wolle nicht darüber hinwegsehen, dass ihre Autorität beschädigt sei.

Käßmann entschuldigte sich bei ihren Unterstützern. „Es tut mir leid, dass ich viele enttäusche, die mich weiter im Amt sehen wollten“. Die Theologin kündigte aber an, weiter als Pastorin der hannoverischen Landeskirche zu arbeiten. Trost spende ihr natürlich Gott – „Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand“.


Ihre Rücktrittserklärung im Wortlaut

„Am vergangenen Samstagabend habe ich einen schweren Fehler gemacht, den ich zutiefst bereue. Aber auch wenn ich ihn bereue, und mir alle Vorwürfe, die in dieser Situation berechtigterweise zu machen sind, immer wieder selbst gemacht habe, kann und will ich nicht darüber hinwegsehen, dass das Amt und meine Autorität als Landesbischöfin sowie als Ratsvorsitzende beschädigt sind.

Die Freiheit, ethische und politische Herausforderungen zu benennen und zu beurteilen, hätte ich in Zukunft nicht mehr so, wie ich sie hatte. Die harsche Kritik etwa an einem Predigtzitat wie ‚Nichts ist gut in Afghanistan‘ ist nur durchzuhalten, wenn persönliche Überzeugungskraft uneingeschränkt anerkannt wird.

Einer meiner Ratgeber hat mir gestern ein Wort von Jesus Sirach mit auf den Radfahrweg gegeben: ‚Bleibe bei dem, was dir dein Herz rät‘ (37,17). Und mein Herz sagt mir ganz klar: Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben. So manches, was ich lese, ist mit der Würde dieses Amtes nicht vereinbar. Aber mir geht es neben dem Amt auch um Respekt und Achtung vor mir selbst und um meine Geradlinigkeit, die mir viel bedeutet.

Hiermit erkläre ich, dass ich mit sofortiger Wirkung von allen meinen kirchlichen Ämtern zurücktrete. Ich war mehr als zehn Jahre mit Leib und Seele Bischöfin und habe all meine Kraft in diese Aufgabe gegeben. Ich bleibe Pastorin der hannoverschen Landeskirche. Ich habe 25 Jahre nach meiner Ordination vielfältige Erfahrungen gesammelt, die ich gern an anderer Stelle einbringen werde.

Es tut mir leid, dass ich viele enttäusche, die mich gebeten haben, im Amt zu bleiben, ja die mich vertrauensvoll in diese Ämter gewählt haben. Ich danke allen Menschen, die mich so wunderbar getragen und gestützt haben, für alle Grüße und Blumen, die meiner Seele sehr gut getan haben in diesen Tagen. Dem Rat der EKD danke ich sehr, dass er mir gestern Abend deutlich sein Vertrauen ausgesprochen hat.

Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der hannoverschen Landeskirche und in der EKD, die mich haupt- und ehrenamtlich unterstützt haben. Insbesondere danke ich meinem engsten Team, das mir in manchem Sturm die Treue gehalten hat. Ich danke allen Freundinnen und Freunden, allen guten Ratgebern. Und ich danke meinen vier Töchtern, dass sie meine Entscheidung so klar und deutlich mittragen und heute hier sind.

Zuletzt: Ich weiß aus vorangegangenen Krisen: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Für diese Glaubensüberzeugung bin ich auch heute dankbar.“

Themen der Frühjahrstagung der Landessynode

Die 14. Landessynode tagt vom 11. bis zum 13. März 2010 in Schwäbisch Gmünd. Auf der Tagesordnung stehen Wahlen, beispielsweise für den Stiftungsrat und den Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit. Außerdem wird ein neues Mitglied der Synode verpflichtet, das die Nachfolge von Wolfgang Traub antritt, der im Januar 2010 als Personaldezernent der Landeskirche eingesetzt wurde und deshalb aus dem Gremium schied. Am 12. März tagt die Synode nicht-öffentlich mit dem Oberkirchenrat.

Die vorläufige Tagesordnung steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.

Wuerttembergische Landessynode 2010 Tagesordnung (PDF)

EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann verliert Fahrerlaubnis

Margot Käßmann

Die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland Margot Käßmann soll unter starkem Alkoholeinfluss über eine rote Ampel gefahren sein – und wurde von der Polizei angehalten. Jetzt läuft ein Ermittlungsverfahren gegen die Bischöfin.

„Ich bin über mich selbst erschrocken, dass ich einen so schlimmen Fehler gemacht habe“, zitiert die „Bild“-Zeitung die EKD-Ratsvorsitzende. „Mir ist bewusst, wie gefährlich und unverantwortlich Alkohol am Steuer ist. Den rechtlichen Konsequenzen werde ich mich selbstverständlich stellen.“

Pressesprecherin Silke Römhild von der Evangelischen Kirche Deutschlands bestätigte den Bericht der „Bild“-Zeitung. „Das Statement von Frau Käßmann ist korrekt zitiert worden“, sagte sie. Darüber hinaus wolle sich die EKD zu dem Vorfall derzeit nicht äußern, so Römhild.

Update

Wie die Pressestelle der EKD bekannt gegeben hat, hat der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Abend des 23. Februars 2010 in einer Telefonkonferenz, an der sämtliche 14 Mitglieder des Rates beteiligt waren, seiner Vorsitzenden, Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann, einmütig sein Vertrauen bekundet. Auf der regulären Sitzung, die noch in dieser Woche stattfindet, soll eine abschließende Bewertung vorgenommen werden. In ungeteiltem Vertrauen überlässt der Rat seiner Vorsitzenden die Entscheidung über den Weg, der dann gemeinsam eingeschlagen werden soll.

150 Jahren Schneller-Schulen – Ausstellung in Stuttgart-Möhringen

Unter dem Titel „In Würde Leben lernen. 150 Jahre Syrisches Waisenhaus und Schneller-Schulen im Nahen Osten“ ist ab 1. März eine Ausstellung zur Geschichte der Schneller-Schulen im Archiv der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Stuttgart-Möhringen, Balinger Str. 33/1, zu sehen. Die Ausstellung wird am Freitag, den 26. Februar, um 17 Uhr im Landeskirchlichen Archiv eröffnet.

In den Schneller-Schulen im Libanon und in Jordanien wachsen christliche und muslimische Kinder und Jugendliche auf. Sie leben zusammen in Wohngruppen und gehen gemeinsam in die Schule. Von Klein auf lernen sie, anderen Religionen gegenüber tolerant zu sein. In der Regel stammen die Kinder und Jugendlichen aus armen Familien, die sich das Schulgeld nicht leisten können. Viele von ihnen sind Waisen oder Halbwaisen. Nach dem Schulabschluss macht ein Teil der Jugendlichen noch eine handwerkliche Ausbildung in den angegliederten Werkstätten.
Die ››› Johann-Ludwig-Schneller-Schule wurde 1952 in Khirbet Kanafar (Libanon) gegründet. Die ››› Theodor-Schneller-Schule in Amman (Jordanien) nimmt seit 1959 Kinder und Jugendliche auf. Beide Einrichtungen gehen auf das Syrische Waisenhaus zurück, das der schwäbische Pädagoge Johann Ludwig Schneller 1860 in Jerusalem gegründet hat.
Die Schneller-Schulen werden zu einem großen Teil mit Spenden und Kirchensteuermitteln aus Deutschland finanziert. Tradition hat auch die jährliche Fastenbitte, in der um Opfer für die Schulen gebeten wird. Die Trägerschaft der beiden Einrichtungen liegt hingegen in lokaler Hand. Für die Johann-Ludwig-Schneller-Schule ist die Nationale Evangelische Kirche von Beirut verantwortlich. Die Trägerschaft für die Theodor-Schneller-Schule hat die Bischöfliche Kirche in Jerusalem und dem Mittleren Osten inne. Beide Kirchen sind Partnerkirchen des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland (EMS).

Folgende weitere Veranstaltungen sind anlässlich des Jubiläums geplant: am 19. März, ein Vortrag über die Geschichte des Syrischen Waisenhauses und der Schneller-Schulen und am 30. April ein Vortrag über die heutige Arbeit der Schneller-Schulen. Dem Jubiläum ist außerdem ein Gottesdienst am 14. November mit der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, in Stuttgart gewidmet.

Mehr Information über die Schneller-Schulen finden Sie auf der Webseite des Evangelischen Missionswerks

www.ems-online.org