Haus Birkach – Denkmal oder Abrisskandidat?

Haus Birkach

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet ist die Zukunft des Tagungszentrums in Birkach wieder ungewiss. Nach dem die Landessynode sich gegen die Schließung des Hauses Birkach entschieden hat fehlen der württembergischen Landeskirche nun angeblich die finanziellen Mittel für die Sanierung und Brandschutzvorkehrungen. Durch den Umbau von Gästezimmern in Büros gelten nun andere Bestimmungen, was den Verantwortlichen sicherlich nicht unbekannt gewesen sein dürfte.

Das für Türen und Wänder verwendete Material entspricht nicht mehr den Standards und muss ausgetauscht werden. Sollte es brennen, bestünde das Risiko, dass Rauch die Fluchtwege vernebelt. Die Stadt Stuttgart hat für die Umbaumaßnahmen eine Frist bis zum August 2011 gesetzt. Ob die neuen Kosten dazu führen könnten, dass das Haus Birkach entgegen dem aktuellen Beschluss der Landessynode geschlossen wird, will der Sprecher Tsalos weder bestätigen noch widerrufen. „Die Gespräche laufen“, sagt er. „Wir haben auf jeden Fall ein Problem, gemeinsam mit der Landeskirche“, sagt Susanne Edel, die Hausleiterin in der Stuttgarter Zeitung. „Natürlich mache ich mir Sorgen.“ Offen habe es noch niemand ausgesprochen, dass das evangelische Tagungszentrum geschlossen werden könnte, „das ist offiziell gerade in einer Grauzone“.

Abgesehen vom Brandschutz – dem größten Kostenpunkt – sind laut Tsalos weitere Sanierungsmaßnahmen für das 1979 eingeweihte Haus Birkach notwendig. Einige Fenster seien undicht.

Und die geschätzten Ausgaben für Haus Birkach könnten zusätzlich steigen. Die Stadt Stuttgart erwägt nämlich, das Studienzentrum unter Denkmalschutz zu stellen. Das würde die geplanten Arbeiten verteuern, sagt Tsalos. Vor wenigen Tagen waren Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde vor Ort und haben sich das Gebäude angeschaut. Die Unterlagen sind nun bei der Denkmalpflege des Landes Baden-Württemberg.

Die Denkmalschützer sind aus zweierlei Gründen auf Haus Birkach aufmerksam geworden. Zum einen „wollte die Landeskirche die rechtlichen Rahmenbedingungen klären“, sagt Christoph Schindelin von der Unteren Denkmalschutzbehörde. Wofür genau sie diese Information einholte, dazu will sich Schindelin nicht äußern. Heraushören lässt sich, dass eine weitere Lösung für das Millionenproblem sein könnte, das Studienzentrum abzureißen.

Der zweite Anlass für Schindelin und seine Kollegen, das Haus Birkach genauer anzugucken, ist der Architekt Günter Behnisch. Er hat das Gebäude entworfen und „ist ein wichtiger Architekt für Stuttgart“, sagt Schindelin. Daher prüfen die Denkmalschützer zurzeit die verschiedenen Behnisch-Werke. Die Vogelsangschule im Stuttgarter Westen hat bereits einen Denkmaltitel. Was das Haus Birkach angeht, „kann ich nichts zu einer Tendenz sagen, aber es ist schon einer der interessanteren Bauten von Günter Behnisch“, sagt Schindelin.

Im März soll es Neuigkeiten zur Zukunft des Hauses Birkach geben, so hat es die Landeskirche Susanne Edel zugesagt. Bis dahin wird sie nicht müde, „an die Entscheidungsträger heranzutragen“, wie wichtig die Arbeit in Birkach sei. Sie hoffe, dass das wiederholte Hin und Her ums Haus den Alltag nicht zu sehr trübe. „Die Menschen hier tragen deutliche Schäden davon“, sagt sie. Für die neuen Kollegen, die im Laufe des vergangenen Jahres aus dem Kloster Denkendorf nach Birkach umgezogen sind, dürfte das wohl ganz besonders gelten. Die Entscheidung der Synode im Jahr 2008, das Haus Birkach zu behalten, war gleichzeitig die Entscheidung gegen das Kloster.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: