Wolfgang Teske scheidet aus Diakonie-Vorstand aus

Wolfgang Teske | © privat / DW EKD

Nach Klaus-Dieter Kottnik verlässt nun auch der Vorstand für Wirtschaft und Finanzen Wolfgang Teske das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Nach Darstellung des württembergischen Landesbischofs Frank Otfried July, Vorsitzender des Aufsichtsgremiums, sind inzwischen alle Vorwürfe geklärt, die bei Auftragsvergaben des Vorstandes an eine Stuttgarter Beratungsfirma im Umfang von 731.000 Euro aufgetreten waren. Korruptionsgerüchte hatten die Runde gemacht, als 2010 bekannt wurde, dass der persönliche Referent des damaligen Diakoniepräsidenten Klaus-Dieter Kottnik stiller Teilhaber einer Beratungsfirma war, die auch die Diakonie beriet. Kurze Zeit später trat Kottnik aus gesundheitlichen Gründen zurück. Der im November 2010 vorgelegte Bericht einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft deckte auf, dass die Unternehmensberatung ihr Auftragsvolumen unbemerkt um das 2,5-Fache überschritten hatte. Die Entlastung des Vorstands wurde daraufhin mehrfach verschoben.

Die Diakonie werde zukünftig ein effektiveres Controlling im Bundesverband einführen, für das Wolfgang Teske in der Vergangenheit mitverantwortlich war, versicherte der württembergische Landesbischof July der auch Vorsitzender des Aufsichtsgremiums des Diakonischen Werkes ist.

Seit September 2010 haben damit drei der vier Vorstandsmitglieder des evangelischen Wohlfahrtsverbandes haben den Spitzenverband verlassen: Der frühere Diakoniepräsident Klaus-Dieter Kottnik war im September zurückgetreten. Für den Rücktritt wurden gesundheitliche Gründe genannt. Seit 15. Januar leitet der frühere Vorstandsvorsitzende der Diakonie in Baden, Johannes Stockmeier, als Präsident die Bundesdiakonie. Er war am 9. Dezember in Kassel von der Diakonischen Konferenz gewählt worden.

Vizepräsident Wolfgang Teske verlässt den Verband zum 30. April und wird Kaufmännischer Vorstand des Diakonischen Werkes Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland mit Sitz in Halle. Der sozialpolitische Vorstand der Diakonie, Kerstin Griese, ist zum Jahreswechsel als SPD-Abgeordnete in den Bundestag zurückgekehrt, nachdem sie eine Zeit lang beide Ämter gleichzeitig wahrgenommen hatte.

Landessynodaler der Offenen Kirche in den Landtag gewählt

Rainer Hinderer | Offene Kirche

Rainer Hinderer | © Evangelische Landeskirche Württemberg

Mit Rainer Hinderer (SPD)  gehört dem neuen Landtag von Baden-Württemberg auch ein Synodaler der Offenen Kirche an.

Der gelernte Schreiner und Diplom-Sozialarbeiter, Rainer Hinderer (48), aus Heilbronn engagiert sich seit mehr als zwei Jahrzehnten hauptberuflich in unterschiedlichsten sozialen Einrichtungen. Seit 1995 ist Hinderer Geschäftsführer und Vorstand der Jugendwerkstätten, der diakonischen Jugendberufshilfeeinrichtung für den Stadt- und Landkreis Heilbronn und mittlerweile Vorstandsmitglied der Diakonischen Jugendhilfe Region Heilbronn e.V. Eine Einrichtung, die täglich 2.500 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene erreicht und mit mehr als 550 Mitarbeitern zu den größten sozialen Einrichtungen der Region zählt.  In der Landessynode gehört Hinderer dem Gesprächskreis „Offene Kirche“ an und ist Mitglied im Ausschuss für Diakonie. Als Heilbronner Gemeinderat ist er u.a. im Aufsichtsrat des Altenpflegeheims Katharinenstift sowie der SLK-Kliniken aktiv und engagiert sich darüber hinaus für den Gaffenberg und die Offenen Hilfen.

Klaus-Dieter Kottnik tritt als Diakonie – Präsident zurück

Wie evangelisch.de meldet ist heute Klaus-Dieter Kottnik von seinem Posten als Präsident des Diakonischen Werkes zurückgetreten. Nach dem Skandal um die Zusammenarbeit mit der Managementberatung Dr. Dithmar & Partner konnte er sich auf seinem Posten wohl nicht länger halten.

Im August hatte sich Kottnik von seinem persönlichen Referenten Walter Merz getrennt, nachdem bekanntgeworden war, dass dieser Partner in der Beratungsfima war, die auch die Diakonie beriet. Kottnik hatte nach eigenen Angaben von Merz‘ Funktion in der Managementberatung nichts gewusst. Kottniks Amtsgeschäfte übernimmt vorläufig Vizepräsident Wolfgang Teske.

Ausführliche Informationen zum Filzverdacht in der Diakonie finden Sie in den Berichten der Stuttgarter Zeitung:

Diakonie kündigt Beraterin und Referent

Der DW-Präsident wird von der Diakonischen Konferenz gewählt, der 93 Mitglieder angehören. Sie beschließt auch allgemeine Grundsätze für die Arbeit der Diakonie. Die laufenden Geschäfte zwischen den Sitzungen der Diakonischen Konferenz führt der Diakonische Rat mit seinen 18 Mitgliedern. Diesem Rat steht seit einigen Monaten Landesbischof July vor.

Diakonie bekämpft Arbeitnehmerrechte – Aktionstag von ver.di

Mit einem bundesweiten „Aktionstag Diakonie“ will die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di am  9.6.2010 ihre Forderung nach einem Streikrecht in der Diakonie untermauern. Beschäftigte in diakonischen und kirchlichen Einrichtungen seien aufgerufen, an dem Aktionstag für gute Löhne und Arbeitnehmerrechte teilzunehmen, erklärte ver.di-Gewerkschaftssekretär Wolfgang Vater am Montag in Bielefeld. Aktionen gebe es unter anderem in Hannover, Bremen, Lüdenscheid, Siegen und Bielefeld.

Volle Arbeitnehmerrechte – Streikrecht und Tarifrecht – wird den meisten diakonischen Arbeitnehmer/innen vorenthalten. Gründe für Aktionen und Proteste gibt es viele. Seit der Wettbewerb im Bereich Soziales und Gesundheit eingreift, senken immer mehr diakonische Arbeitgeber das branchenübliche Niveau. Immer häufiger entscheiden Schiedsverfahren über die Arbeitsvertragsrichtlinien, die Arbeitsrechtlichen Kommissionen verlieren ihre Gestaltungsmacht. Die Mehrheit der MAV-Vertreter/innen in der Arbeitsrechtlichen Kommission des Diakonischen Werks der EKD sollen im Juni 2010 entmachtet werden, weil sie den Umstieg auf echte Tarifverträge fordern. Diakonische Arbeitgeber haben sich in einem Arbeitgeberverband zusammengeschlossen und sind der Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände beigetreten. Für sich selber nehmen sie volle Unternehmerrechte wahr, doch Tarifverträge und Streikrecht der Beschäftigten wollen sie nicht akzeptieren. In Bielefeld hat ihnen das Arbeitsgericht im März das Streikverbot bestätigt, in Hamburg scheiterten die Arbeitgeber hingegen im April und Mai 2010 schon zweimal vor dem Arbeitsgericht.

Nach wie vor seien die Beschäftigten in der Diakonie von einer branchenüblichen Lohnentwicklung abgeschnitten, kritisierte Vater. Große diakonische Arbeitgeber würden wie gewinnorientierte Unternehmen handeln, indem sie Leiharbeitsfirmen gründeten und die Löhne senkten. Volle Arbeitnehmerrechte bekämpften sie dagegen mit allen Mitteln, sagte Vater. „So verschafft man sich auf Kosten aller Mitarbeitenden im Gesundheits- und Wohlfahrtsdienst Kostenvorteile.“

Flugblatt zum Aktionstag Diakonie

Spendenbereitschaft 2009 gesunken

Die Spendenbereitschaft der Deutschen ist 2009 gesunken. Gegenüber dem Vorjahr reduzierte sich das Spendenvolumen um 3 Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis der „Bilanz des Helfens“, einer vom Deutschen Spendenrat e.V. bei der GfK Panel Services Deutschland in Auftrag gegebenen Studie, die regelmäßig den Spendenmarkt analysiert.

Das Spendenaufkommen entwickelte sich vor allem in der ersten Jahreshälfte 2009 deutlich rückläufig. Im zweiten Halbjahr lag es hingegen fast auf Vorjahresniveau. Auslöser für die Spendenbereitschaft im Herbst waren vor allem Naturkatastrophen in Südostasien, wie der schwere Wirbelsturm auf den Philippinen und das Erdbeben auf Sumatra, die Ende September 2009 weltweit für Anteilnahme sorgten. Insgesamt reduzierten sich die Zuwendungen an Hilfsorganisationen, gemeinnützige Organisationen und Kirchen jedoch um rund 65 Millionen Euro gegenüber dem Jahr 2008. Auch die Zahl der privaten Spender war im letzten Jahr deutlich rückläufig. Die Spenderquote sank erstmals knapp unter die 20 Prozentmarke.

Besonders gebefreudig zeigten sich weiterhin die Älteren. Rund die Hälfte des Spendenvolumens kam von Personen mit einem Alter von 60 Jahren oder darüber. Diese Altersgruppe ist von der Finanzkrise allerdings auch weit weniger betroffen und verfügt über hohe finanzielle Mittel – dies wird sich in den nächsten Jahrzehnten allerdings radikal ändern, da die nächsten Generationen im Alter über weit weniger Geld verfügen werden. Da den Spendenorganisationen schon heute der „Nachwuchs“ fehlt müssen sie sich für die Zukunft also auf wesentlich geringere Einnahmen einstellen.

Gerade auch die Fusion von „Brot für die Welt“ und dem Evangelischen Entwicklungsdienst und der geplante Umzug von Stuttgart nach Berlin sollten unter diesen finanziellen Vorzeichen für die Zukunft kritisch überdacht werden. Nur wenn die Spendeneinnahmen für „Brot für die Welt“ und die Diakonie Katastrophenhilfe weiter konstant bleiben wird das neue Werk auch die erwarteten Steuermittel erhalten. Die Spendengelder stellen den notwendigen Eigenanteil dar, den der Bund zur Voraussetzung für seine finanzielle Unterstützung macht. Sinken also die Spendengelder, sinken auch die Gelder aus Steuermitteln und damit könnte sich künftig die Einnahmesituation großer Spendenorganisationen in den nächsten Jahren drastisch verschärfen. Teure Umzüge von Stuttgart nach Berlin erscheinen unter diesen Vorzeichen doppelt fragwürdig.

Streikrecht ist ein Grundrecht auch für kirchliche Mitarbeiter – ver.di geht gegen Urteil in Berufung

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) bedauert die Entscheidung des Arbeitsgerichts Bielefeld zur Rechtmäßigkeit von Streiks in kirchlichen Einrichtungen: „Wir hätten uns in der ersten Instanz ein anderes Urteil gewünscht. Aber endgültig entschieden ist nichts. Die weiteren Instanzen stehen erst noch bevor“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Ellen Paschke. ver.di werde gegen das Urteil Berufung einlegen.

Es sei bedauerlich, dass das Arbeitsgericht Bielefeld den Sonderstatus der Kirchen höher bewerte als die grundgesetzlich geschützten Rechte der Beschäftigten in kirchlichen Einrichtungen. „Wir bleiben dabei: Streikrecht ist ein Grundrecht“, bekräftigte Paschke. Gegebenenfalls müsse am Ende des Instanzenwegs das Bundesverfassungsgericht über diese Frage entscheiden. Sie sei zuversichtlich, dass das höchste deutsche Gericht den Sonderstatus der Kirchen letztlich nicht so weitreichend auslege, dass Streiks verboten wären.

Zuvor hatte das Arbeitsgericht Bielefeld in erster Instanz entschieden, dass ver.di nicht zu Streiks in diakonischen Einrichtungen aufrufen darf, um gerechte Arbeits- und Lohnbedingungen zu erreichen. Anlass für die juristische Auseinandersetzung waren von ver.di organisierte Arbeitsniederlegungen im Mai und September 2009. Diese hatten die Arbeitgeber beim Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) so unter Druck gesetzt, dass sie schließlich mit der arbeitsrechtlichen Kommission höhere Löhne vereinbarten. Gleichzeitig gingen die diakonischen Arbeitgeber unter Berufung auf kirchliche Sonderrechte juristisch gegen ver.di vor.