Evangelische Kirche soll für Jugendliche attraktiver werden

Die Evangelische Kirche soll für Jugendliche attraktiver werden. „Kirche sind nicht nur Erwachsene“, kirchliche Angebote müssten junge Menschen in deren unterschiedlichen Lebensstilen und -welten besser ansprechen, empfiehlt eine EKD-Studie zum Verhältnis von Kirche und Jugend, die am Mittwoch in Hannover veröffentlicht wurde. Angesichts zunehmender Distanz und abnehmender Kirchenbindung wird darin eine „jugendsensible Kirche“ befürwortet. Dazu gehöre die Öffnung für populäre Jugendkultur, in der neuen Medien, Ästhetik und Inszenierung mehr Platz finden.

Junge Menschen suchten nach Orientierungen für ihr Leben und nach Antworten auf ganz unterschiedliche Fragen. „Es geht dabei immer auch um Werte und Lebenssinn, und damit eben immer auch um religiöse Fragen“, schreibt die Vorsitzende des Rates der EKD, Landesbischöfin Margot Käßmann, im Vorwort der Handreichung.

Eine immer wichtigere Rolle in der evangelischen Jugendarbeit spielen der Studie zufolge das Konzept von Jugendkirchen, Jugendclubs und -zentren sowie neue Formen der Konfirmandenarbeit. Von Jugendlichen würden jedoch viele Angebote als „geschlossen“ und wenig zugänglich empfunden. Die Kommunikationskulturen und „Theologien“ von Jugendlichen sollten stärker aufgegriffen werden. Hierzu sollten mehr Räume eröffnet werden, etwa durch Beteiligungsmöglichkeiten in Blogs Foren und Portale im Internet. Dies gelte auch für die finanzielle Ausstattung der Angebote.

Bei der Suche nach Orientierung und Engagement seien kirchliche Antworten und Angebote häufig nicht attraktiv, beschreibt die Studie den Handlungsbedarf. Denn obwohl sich rund 90 Prozent aller evangelischen Jugendlichen eines Jahrgangs konfirmieren lassen, werde danach Kirchenmitgliedschaft meist zur „bloßen Konvention und Tradition“. Zwar interessierten sie sich für moralische Fragen und Lebenssinn, gebe es Sehnsucht nach Transzendenz und Spiritualität, aber gleichzeitig sinke in der Generation zwischen 14 und 25 Jahren das Wissen von Religion und sei christliche Überlieferung immer weniger selbstverständlich.

Auf dem religiösen Markt ist die Kirche der Studie zufolge für Jugendliche nur noch eine Anbieterin für Sinnfragen neben anderen. Sie könne auf keinen Bonus rechnen und nur wenig voraussetzen. Mit Blick auf die demographischen Verschiebungen weisen die Autoren daraufhin, dass Jugendliche zur Minderheit in der Gesellschaft und zur Minderheit in einer schrumpfenden Kirche werden. Kirchliche Jugendarbeit sei deshalb darauf zu überprüfen, inwieweit sie die Interessen und Lebenssituation junger Menschen genügend aufnehme oder einer Eigenlogik folge.

Die Offene Kirche Stuttgart setzt sich bei Ihrem diesjährigen Jahresempfang am 26.2.2010 ab 17.30 Uhr in der Schloßkirche im Alten Schloss unter dem Titel “Alte Kirche – junge Menschen, ein reiz-volles Bildungsfeld” ebenfalls mit den Ansprüchen Jugendlicher an unsere Landeskirche auseinander. Wir laden Sie herzlich zu dieser Veranstaltung ein! Das vollständige Programm steht Ihnen als Download zur Verfügung

Downloads

Offene Kirche Stuttgart_Programm_Jahresempfang_2010

Studie „Kirche und Jugend. Lebenslagen – Begegnungsfelder – Perspektiven“ (PDF)

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