Johannes-Brenz-Preis geht an OK-Mitglied Michael Kannenberg

Michael Kannenberger

Stuttgart. Für seine Dissertation „Verschleierte Uhrtafeln. Endzeiterwartungen im württembergischen Pietismus zwischen 1818 und 1848“ bekommt der Theologe Michael Kannenberg den Johannes-Brenz-Preis verliehen. Am 6. November 2009 wird ihm der Preis um 17 Uhr vom evangelischen württembergischen Landesbischof Frank Otfried July im Landeskirchlichen Archiv in Stuttgart-Möhringen überreicht.

Einen Mosaikstein zur Erforschung der württembergischen Kirchengeschichte beizutragen – das war das Ziel von Michael Kannenberg. Dass er hierfür besonders ausgezeichnet werden soll, mache ihn stolz, betont der Theologe. Besonders im Blickpunkt seiner Arbeit steht die Frage, wie es pietistischen Pfarrern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang, die Laienpietisten wieder an die Landeskirche zu binden.

Michael Kannenberg wurde 1964 in Stuttgart-Degerloch geboren. Das Studium der  evangelischen Theologie in Tübingen und Basel nahm er nach seinem Zivildienst bei der Aktion Multiple Sklerose Erkrankte (AMSEL) in Stuttgart auf. Er promovierte 2005 an der Theologischen Fakultät der Universität Basel. Neben dem Schuldienst am Ganerben-Gymnasium Künzelsau, an dem er seit 2009 als Studienrat tätig ist, engagiert sich Michael Kannenberg auch politisch: Seit Juni 2009 ist er Stadtrat in Künzelsau.

Der Johannes-Brenz-Preis, der alle zwei Jahre für herausragende Arbeiten zur württembergischen Kirchengeschichte verliehen wird, ist vom Verein für württembergische Kirchengeschichte gestiftet und mit 3.000 Euro dotiert.

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AMOS-Preis für Zivilcourage in Kirche und Gesellschaft

„Tu deinen Mund auf für die Stummen… “

Mit dem AMOS-Preis soll Zivilcourage in der Kirche gefördert und öffentlich erkennbar gemacht werden. Die Kirche hat eine prophetische Tradition, aus der heraus sie verpflichtet ist, „den Mund für die Stummen aufzutun und für die Sache aller, die verlassen sind“ (Sprüche 31,8).

Eine Kirche, die in dieser Tradition steht, muß vernehmlich und deutlich gegen Unrecht, Menschenverachtung und Ignoranz auftreten. Heute fragt eine kritische Öffentlichkeit, ob und wo eigentlich noch Zeichen dieser prophetischen Kraft in der Kirche zu finden sind.

Die OFFENE KIRCHE unterstützt diese Frage durch die Verleihung des AMOS-Preises für Zivilcourage in der Kirche. Zu diesem Zweck werden mit dem AMOS-Preis ausgezeichnet:

  • Personen, die in besonders eindrücklicher, prophetischer Weise die frei machende und Gerechtigkeit fordernde Botschaft der Bibel weitergeben
  • oder Gruppen, Initiativen und Aktivitäten, die dem politischen Anspruch der Botschaft vom kommenden Gottesreich beispielhaft gerecht werden.

Handlungsfelder und Anlässe dafür sehen wir auch über die Kirchen hinaus. Es müssen keine bekannten Persönlichkeiten oder spektakulären Aktionen und Initiativen sein. Die, die seit Jahren – vielleicht in kleinen Gruppen vor Ort – daran arbeiten, dass es in unserer Gesellschaft gerechter zugeht, kommen für die Preisverleihung genauso in Frage.

Zivilcourage in der Kirche verändert die Gesellschaft

Prophetisches Reden und Handeln war und ist anstößig. Prophetische Menschen treten vor den menschlichen Institutionen für Gottes Sache, für sein Recht und seine Gerechtigkeit ein. Prophetische Menschen wollen Recht und Unruhe, nicht Kult und Ruhe.

Sie wollen Aufsehen erregen und Widerspruch erzeugen – und so zum Wandel in Kirche und Gesellschaft beitragen. Beispielhaftes prophetisches Reden erkennt das Christentum in seiner jüdischen Mutterreligion. In dieser Tradition sieht die OFFENE KIRCHE den AMOS-Preis für Zivilcourage in Kirche und Gesellschaft.


Die bisherigen Preiträgerinnen und Preisträger

AMOS-Preis 2001: Bischöfin Gertraud Knoll, Österreich, und Pfarrerin Beatrix Spreng, Brandenburg

AMOS-Preis 2003: Diakonische Basisgemeinschaft „Brot und Rosen“, Hamburg, und Workshop Feministische Theologie, Laichingen

AMOS-Preis 2005: Halina Bortnowska-Dabrowska, Warschau, und Café Strichpunkt, Stuttgart

AMOS-Preis 2007: Major Florian Pfaff, München

AMOS-Preis 2009: Dr. Herta Leistner, Ütterroda/Thüringen

Weitere Informationen zu den PreisträgerInnen: http://www.offene-kirche.de (AMOS-Preis / PreisträgerInnen)

Der AMOS-Preis ist mit 5 000.– EUR dotiert. Er wird alle zwei Jahre in der Fastenzeit verliehen. Die nächste AMOS-Preis-Verleihung findet am Sonntag Reminiscere, 20. März 2011, um 12 Uhr in der Erlöserkirche in Stuttgart statt. Bewerbungsschluss ist im August 2010.

Vorschläge und Bewerbungen nimmt jeweils die Geschäftsführung des AMOS-Preises entgegen.

Bewerbungen für die Verleihung des AMOS-Preises bedürfen einer eingehenden schriftlichen Begründung unter Angabe der Leistungen, die die Kandidatur für den AMOS-Preis ausweisen.

Die Entscheidung über die Preisverleihung trifft die unabhängige Jury unter Ausschluss des Rechtsweges. Auf die Preisverleihung besteht kein Rechtsanspruch. Die §§ 657 ff. BGB finden keine Anwendung.


Roland Helber, Geschäftsführer AMOS-Preis
Bühläckerstraße 12, 75328 Schömberg
eMail: amospreis@offenekirche.de
Telefax 07084 / 7809
Telefon 07084 / 7809

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Brenz-Medaille für Dr. Erhard Eppler

Erhard Eppler

Die OFFENE KIRCHE freut sich außerordentlich über die Entscheidung von Bischof Frank Otfried July, den Schirmherr des AMOS-Preises  der OK, Dr. Erhard Eppler,  für seine Verdienste für und in der Kirche mit der silbernen Johannes-Brenz-Medaille zu würdigen. „Damit wird ein Politiker und Kirchenmann ausgezeichnet“, so die Vorsitzende der OK, Pfarrerin Kathinka Kaden (Bad Überkingen), „der nach vorne schaut, für Neues offen ist und Verknöcherungen und Engführungen verabscheut“. Die OK kenne Dr. Eppler als „einen Repräsentanten für Vielfalt und Freiheit in der Kirche, wie wir es für unsere Kirche wünschen“.

Die Preisverleihung fand am 23. July bei einer Festveranstaltung im Brenz-Haus an seinem Wohnort Schwäbisch Hall statt. Bischof Frank Otfried Juli zeichnete den Politiker und zweimaligen Kirchentagspräsidenten
für sein Wirken als Christ und als Politiker aus. Man ehre einen aus der Mitte der Kirche, der sich einen Namen in Staat und Politik gemacht habe, sagte er in seiner Laudatio.

Eppler habe meist vor anderen politischen Akteuren und Beobachtern gewichtige Themen wahrgenommen, aufgegriffen und benannt. Aus einer christlichen Grundhaltung heraus habe er politische Verantwortung übernommen und zugleich ein überzeugendes Beispiel dafür gegeben, was evangelisch Kirchesein bedeute.

July selbst sei durch das Buch Epplers „Ende oder Wende“ in den 70-er Jahren aufgerüttelt worden. Damals habe dieses Buch viele aufgeweckt und in Bewegung gebracht, sagte der Bischof. July weiter: „Wenn Sie heute, lieber Herr Eppler, aus gutem Grund geehrt werden, dann auch deshalb, weil wir heute daran anknüpfen können, was von Ihnen schon lange vorgedacht und dann mit Vielen mitbedacht worden ist. Die entwicklungspolitischen Fragen – von Ihnen vor vierzig Jahren auf die Agenda gesetzt – spitzen sich in unserer Generation zu. Fragen des angemessenen Lebensstils, für die Sie mit Klischees behaftet wurden, stehen heute oben auf der Tagesordnung.“

Dem Christen Eppler bescheinigte der Landesbischof: „Sie tragen Ihren Glauben nicht vor sich her. Er gehört einfach zu Ihnen.“ Als Mitglied der Kammer der Evangelischen Kirche habe er an wesentlichen Denkschriften mitgewirkt und als Verantwortlicher wie als Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages Verantwortung getragen. An Eppler zeige sich, wie „vernünftiger Gottesdienst“ im Alltag der Welt gelebt werden könne.

Erhard Eppler betonte in seiner Dankesrede, er habe eigentlich nie Politiker werden wollen. „Plötzlich war ich drin und kam nicht mehr heraus“, so der Jubilar. Die Brenz-Medaille freue ihn besonders, weil auch Brenz nicht nur ein theologischer, sondern auch ein politischer Kopf gewesen sei. Rückblickend sagte Eppler, er habe immer streng darauf geachtet, keine Glaubenssätze in die Politik einzubringen. Es sei vielmehr eine Prägung durch den Glauben, die auch im politischen Handeln gewirkt habe. Die Frage: „Was würde Jesus dazu sagen?“, habe ihn immer wieder geleitet.

Zur Brenz-Medaille:
Der ehemalige Landesbischof Theo Sorg hat die Johannes-Brenz-Medaille 1992 zum ersten Mal verliehen – an den damaligen Erzbischof von Canterbury, Dr. George Carey. Seitdem verleihen die Bischöfe der Evangelischen Landeskirche in Württemberg die Brenz-Medaille in Silber und Bronze. Die bronzene Medaille ist Geschenk und Ehrengabe. Die Brenz-Medaille in Silber gilt als höchste Auszeichnung der Landeskirche.

Entworfen hat die Medaille der Baden-Badener Medailleur Vicktor Huster. Auf der Vorderseite ist ein Kreuz zu sehen, außerdem ein Portrait des württembergischen Reformators Johannes Brenz (1499-1570), daneben eine Andeutung des Brenz’sche Katechismus. Die Rückseite der Medaille zeigt Säulen, die für die Prälaturkirchen Württembergs stehen.